ETF einfach erklärt: So legst du langfristig an und lässt den Zinsenzins für dich arbeiten


ETF einfach erklärt: So legst du langfristig an und lässt den Zinsenzins für dich arbeiten
FINANZWISSEN

ETF einfach erklärt:
So legst du langfristig an und lässt den Zinseszins für dich arbeiten

Früher habe ich bei Wörtern wie Broker, Aktien und Börse an Männer in schwarzen Anzügen gedacht, die anderen Leuten das Geld aus der Tasche ziehen. Das Ganze kam mir undurchsichtig und ein bisschen unseriös vor. Heute weiß ich: Dieses Bild stammt aus einer anderen Zeit. Ein Depot zu eröffnen ist inzwischen kaum schwerer, als online ein Girokonto anzulegen. App herunterladen, Daten eingeben, Identität per Handy bestätigen, fertig. Die Hürde, die ich damals im Kopf hatte, gibt es so nicht mehr.

In diesem Artikel erfährst du, was ein ETF ist, warum der Zinseszins so mächtig ist, wie du in der Praxis startest und worin sich ein Welt-ETF von einem Schwellenländer-ETF unterscheidet. Am Ende erzähle ich dir außerdem von meinem größten Geldfehler, damit du ihn dir sparen kannst.

1. Was ist ein ETF?

ETF steht für „Exchange Traded Fund“, also einen börsengehandelten Fonds. Stell dir einen großen Korb vor, in dem viele Aktien liegen. Wenn du einen Anteil an diesem Korb kaufst, besitzt du automatisch ein kleines Stück von allen Unternehmen darin.

Die meisten ETFs bilden einen Index nach, zum Beispiel den MSCI World. Er umfasst über tausend große Unternehmen aus Industrieländern. Der ETF kauft diese Firmen einfach nach, ohne dass ein Fondsmanager ständig neu entscheidet. Deshalb sind die Kosten niedrig.

Warum ist das für Einsteiger so praktisch?
Streuung: Dein Geld steckt in vielen Firmen und Branchen gleichzeitig. Geht ein einzelnes Unternehmen pleite, fällt das kaum ins Gewicht.
Geringe Kosten: Die laufenden Gebühren sind meist deutlich niedriger als bei klassischen Fonds.
Wenig Aufwand: Du musst keine Firmen analysieren oder Nachrichten verfolgen.
Flexibilität: ETFs lassen sich an der Börse an jedem Handelstag kaufen und verkaufen.

2. Der Zinseszins: Warum Zeit wichtiger ist als die Summe

Der Zinseszins bedeutet, dass nicht nur dein eingezahltes Geld Erträge bringt, sondern auch die Erträge selbst. Im ersten Jahr wächst dein Geld, im zweiten wächst das Geld samt den bisherigen Erträgen weiter, und so weiter. Das Wachstum beschleunigt sich mit der Zeit. Deshalb spricht man von einem exponentiellen Verlauf.

Beispiel: Einmalanlage von 10.000 Euro
Die Zahlen sind eine Modellrechnung ohne Kosten und Steuern. Sie zeigen die Wirkung, sind aber keine Garantie.
Laufzeit5 % p. a.7 % p. a.
10 Jahrerund 16.289 €rund 19.672 €
20 Jahrerund 26.533 €rund 38.697 €
30 Jahrerund 43.219 €rund 76.123 €

Schau dir die letzte Zeile an: Bei 7 Prozent wird aus 10.000 Euro in 30 Jahren mehr als das Siebenfache. Die zweiten zehn Jahre bringen deutlich mehr dazu als die ersten, und die dritten wieder mehr als die zweiten.

Beispiel: Sparplan mit 100 Euro im Monat

Du zahlst in 30 Jahren insgesamt 36.000 Euro ein. Bei 5 Prozent Rendite pro Jahr wären das rund 83.000 Euro, bei 7 Prozent rund 122.000 Euro. Der größere Teil davon sind Erträge, die dein Geld selbst erwirtschaftet hat.

Daraus ergibt sich die wichtigste Erkenntnis: Je früher du anfängst, desto weniger musst du selbst einzahlen. Wer mit 25 startet, braucht bei gleichem Ziel deutlich kleinere Raten als jemand, der mit 45 beginnt.

3. Welt-ETF oder Schwellenländer-ETF?

Das ist eine der häufigsten Fragen von Einsteigern.

Welt-ETF
Enthält vor allem große Unternehmen aus Industrieländern, rund zwei Drittel davon aus den USA.

Stärke: Relativ breit gestreut.
Nachteil: Die USA und die Technologiebranche haben ein hohes Gewicht.
Schwellenländer-ETF
Enthält Unternehmen aus Ländern wie China, Indien, Brasilien oder Taiwan.

Chance: Höheres Wachstumspotenzial.
Nachteil: Höhere Schwankungen, politische Risiken und teils weniger transparente Märkte.

Viele Anleger kombinieren beides, etwa mit einem Welt-ETF als Basis und einem kleineren Anteil Schwellenländer. Es gibt außerdem ETFs, die Industrie- und Schwellenländer in einem Produkt vereinen, zum Beispiel auf den MSCI ACWI oder FTSE All-World. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deinem Risiko und deinem Zeithorizont ab.

4. Vor- und Nachteile von ETFs

Vorteile
Breite Streuung mit einem einzigen Produkt.
Niedrige Kosten.
Einfach und transparent.
Langfristig historisch höhere Ertragschancen als bei Tagesgeld oder Sparbuch.
Sparpläne oft schon ab kleinen Beträgen.
ETFs sind rechtlich Sondervermögen und grundsätzlich vom Vermögen des Anbieters getrennt.
Nachteile & Risiken
Schwankungen: Der Wert kann zeitweise stark fallen.
Keine Garantie: Vergangene Erträge sind keine Zusage für die Zukunft.
Keine Einlagensicherung: Es gibt das Marktrisiko.
Nichts für kurzfristiges Geld: Geld, das du bald brauchst, gehört nicht in Aktien-ETFs.
Psychologie: Angst kann dazu führen, dass Anleger im Absturz verkaufen.
Die Faustregel: ETFs eignen sich für Geld, das du viele Jahre nicht brauchst, möglichst mindestens zehn.

5. So startest du in der Praxis

01   Notgroschen zuerst. Bevor du investierst, brauchst du ein Polster auf dem Tagesgeldkonto. Wer im Dispo steckt, sollte erst diesen ausgleichen.

02   Depot eröffnen. Das geht bei einem Broker oder einer Direktbank per App oder Webseite. Du gibst deine Daten an, bestätigst deine Identität per Video oder Ausweis und bist in der Regel nach kurzer Zeit freigeschaltet.

03   Auf Kosten achten. Vergleiche Depotführung, Sparplangebühren und Auswahl der ETFs. Unabhängige Vergleichsportale und die Verbraucherzentrale helfen dir dabei.

04   ETF auswählen. Prüfe Index, Kostenquote (TER), Fondsvolumen und ob der ETF thesaurierend oder ausschüttend ist.

05   Sparplan einrichten. Ein fester Betrag pro Monat, automatisch am Gehaltstag. So nutzt du den Zeitfaktor und musst nicht den „perfekten Einstiegszeitpunkt“ erraten.

06   Freistellungsauftrag erteilen. Damit nutzt du deinen Sparer-Pauschbetrag, aktuell 1.000 Euro für Alleinstehende. Prüf den Betrag, denn er kann sich ändern.

07   Dranbleiben. Auch in schwachen Börsenphasen weiter einzahlen und nicht ständig auf den Kurs schauen.

6. Mein größter Geldfehler

Als ich jung war und gerade von zu Hause ausgezogen bin, brauchte ich auf einmal vieles: Möbel, Geräte, Kleinigkeiten für die erste eigene Wohnung. Ich dachte nicht lange nach und nahm einen Privatkredit auf. Der Zins war hoch. Monatelang, am Ende sogar Jahre, hat mich die Rate belastet. Am Schluss habe ich für dieselben Dinge deutlich mehr gezahlt, als sie gekostet hätten.

Dabei wäre es ohne Kredit gegangen. Ich hätte mir die Dinge Stück für Stück anschaffen können, erst das Wichtigste, den Rest später. Ich hätte auch das Geld, das ich hatte, sinnvoller einsetzen können. Aber ich war jung und habe schlicht nicht nachgedacht.

Mit dem Wissen von heute würde ich keinen Kredit mehr für Konsum aufnehmen. Meine Empfehlung an alle, die gerade ausziehen oder anfangen: Kauf nicht alles auf einmal. Besorge zuerst, was du wirklich brauchst, und lass dir Zeit für den Rest. Ein teurer Kredit nimmt dir genau das, was du später investieren könntest, und der Zinseszins arbeitet dann gegen dich statt für dich.

Das Wichtigste in Kürze
Ein ETF ist ein Korb aus vielen Aktien, günstig und breit gestreut.
Der Zinseszins macht aus Zeit dein stärkstes Werkzeug. Früh anzufangen zählt mehr als die Höhe der Raten.
Ein Welt-ETF ist eine mögliche Basis, Schwellenländer bringen mehr Chancen und mehr Schwankung.
ETFs sind kein Sparbuch. Es gibt keine Garantie, deshalb gehört nur langfristiges Geld hinein.
Ein Depot zu eröffnen ist heute so einfach wie ein Online-Konto.
Konsumkredite können ein starker Gegenspieler des Zinseszinses sein.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und der Finanzbildung. Er ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt. Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen und können an Wert verlieren.