Früher habe ich bei Wörtern wie Broker, Aktien und Börse an Männer in schwarzen Anzügen gedacht, die anderen Leuten das Geld aus der Tasche ziehen. Das Ganze kam mir undurchsichtig und ein bisschen unseriös vor. Heute weiß ich: Dieses Bild stammt aus einer anderen Zeit. Ein Depot zu eröffnen ist inzwischen kaum schwerer, als online ein Girokonto anzulegen. App herunterladen, Daten eingeben, Identität per Handy bestätigen, fertig. Die Hürde, die ich damals im Kopf hatte, gibt es so nicht mehr.
In diesem Artikel erfährst du, was ein ETF ist, warum der Zinseszins so mächtig ist, wie du in der Praxis startest und worin sich ein Welt-ETF von einem Schwellenländer-ETF unterscheidet. Am Ende erzähle ich dir außerdem von meinem größten Geldfehler, damit du ihn dir sparen kannst.
ETF steht für „Exchange Traded Fund“, also einen börsengehandelten Fonds. Stell dir einen großen Korb vor, in dem viele Aktien liegen. Wenn du einen Anteil an diesem Korb kaufst, besitzt du automatisch ein kleines Stück von allen Unternehmen darin.
Die meisten ETFs bilden einen Index nach, zum Beispiel den MSCI World. Er umfasst über tausend große Unternehmen aus Industrieländern. Der ETF kauft diese Firmen einfach nach, ohne dass ein Fondsmanager ständig neu entscheidet. Deshalb sind die Kosten niedrig.
Der Zinseszins bedeutet, dass nicht nur dein eingezahltes Geld Erträge bringt, sondern auch die Erträge selbst. Im ersten Jahr wächst dein Geld, im zweiten wächst das Geld samt den bisherigen Erträgen weiter, und so weiter. Das Wachstum beschleunigt sich mit der Zeit. Deshalb spricht man von einem exponentiellen Verlauf.
| Laufzeit | 5 % p. a. | 7 % p. a. |
|---|---|---|
| 10 Jahre | rund 16.289 € | rund 19.672 € |
| 20 Jahre | rund 26.533 € | rund 38.697 € |
| 30 Jahre | rund 43.219 € | rund 76.123 € |
Schau dir die letzte Zeile an: Bei 7 Prozent wird aus 10.000 Euro in 30 Jahren mehr als das Siebenfache. Die zweiten zehn Jahre bringen deutlich mehr dazu als die ersten, und die dritten wieder mehr als die zweiten.
Beispiel: Sparplan mit 100 Euro im Monat
Du zahlst in 30 Jahren insgesamt 36.000 Euro ein. Bei 5 Prozent Rendite pro Jahr wären das rund 83.000 Euro, bei 7 Prozent rund 122.000 Euro. Der größere Teil davon sind Erträge, die dein Geld selbst erwirtschaftet hat.
Daraus ergibt sich die wichtigste Erkenntnis: Je früher du anfängst, desto weniger musst du selbst einzahlen. Wer mit 25 startet, braucht bei gleichem Ziel deutlich kleinere Raten als jemand, der mit 45 beginnt.
Das ist eine der häufigsten Fragen von Einsteigern.
Viele Anleger kombinieren beides, etwa mit einem Welt-ETF als Basis und einem kleineren Anteil Schwellenländer. Es gibt außerdem ETFs, die Industrie- und Schwellenländer in einem Produkt vereinen, zum Beispiel auf den MSCI ACWI oder FTSE All-World. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deinem Risiko und deinem Zeithorizont ab.
Als ich jung war und gerade von zu Hause ausgezogen bin, brauchte ich auf einmal vieles: Möbel, Geräte, Kleinigkeiten für die erste eigene Wohnung. Ich dachte nicht lange nach und nahm einen Privatkredit auf. Der Zins war hoch. Monatelang, am Ende sogar Jahre, hat mich die Rate belastet. Am Schluss habe ich für dieselben Dinge deutlich mehr gezahlt, als sie gekostet hätten.
Dabei wäre es ohne Kredit gegangen. Ich hätte mir die Dinge Stück für Stück anschaffen können, erst das Wichtigste, den Rest später. Ich hätte auch das Geld, das ich hatte, sinnvoller einsetzen können. Aber ich war jung und habe schlicht nicht nachgedacht.
Mit dem Wissen von heute würde ich keinen Kredit mehr für Konsum aufnehmen. Meine Empfehlung an alle, die gerade ausziehen oder anfangen: Kauf nicht alles auf einmal. Besorge zuerst, was du wirklich brauchst, und lass dir Zeit für den Rest. Ein teurer Kredit nimmt dir genau das, was du später investieren könntest, und der Zinseszins arbeitet dann gegen dich statt für dich.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und der Finanzbildung. Er ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt. Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen und können an Wert verlieren.